Abblättern der Zinkschicht an einem Balkontragwerk
Wenige Monate nach der Montage löste sich an mehreren verzinkten Stahlbauteilen eines Außenbalkontragwerks großflächig die Zinkschicht. Ein Bauunternehmen beauftragte mich mit der Untersuchung.
Zu klären war, ob die Verzinkung selbst mangelhaft war oder ob die Ursache in der Konstruktion und der Vorbehandlung lag.
- Außenbalkontragwerk, feuerverzinkt
- Blasen, Abplatzungen, Korrosionsnester
- Schichtdickenmessung und Haftprüfung
- DIN EN ISO 1461

Ausgangslage und Auftrag
- ObjektTragwerk eines Außenbalkons aus Baustahl, feuerverzinkt
- AlterWenige Monate nach Fertigstellung
- AnlassBlasenbildung, großflächige Abplatzungen und beginnende Korrosion
- AuftragUntersuchung der Schadensursache und Bewertung der Ausführung
- GrundlageOrtsbesichtigung, Schichtdickenmessung, Haftungsbeurteilung, Unterlagen
Was am Bauteil festgestellt wurde
Blasen unter der Zinkschicht
Flächige Aufwölbungen, unter denen sich die Schicht vom Grundwerkstoff gelöst hatte.
Großflächige Abplatzungen
Abgelöste Bereiche mit freiliegendem Stahl, überwiegend an ebenen Flächen und nicht an Kanten.
Uneinheitliche Schichtdicken
Deutlich schwankende Messwerte innerhalb desselben Bauteils.
Korrosionsnester
Beginnender Rostansatz in den freiliegenden Bereichen.
Rückstände auf der Oberfläche
Hinweise auf unvollständig entfernte Verunreinigungen vor dem Tauchen.
Konstruktive Engstellen
Überlappungen und geschlossene Hohlräume, die Beize und Zink nicht vollständig erreichen.
Wie der Schaden entstanden ist
Ein Zinküberzug haftet, weil sich beim Tauchen Eisen-Zink-Legierungsschichten bilden. Diese Reaktion setzt eine metallisch blanke, saubere Oberfläche voraus. Verbleiben Rückstände aus Fertigung oder Vorbehandlung – Öl, Walzhaut, Farbmarkierungen, Beizreste –, entsteht keine durchgehende Legierungsschicht, sondern eine anhaftende Auflage. Genau diese löst sich später flächig ab.
Die konstruktiven Engstellen verstärken das: Wo Spülflüssigkeit nicht abläuft oder Zink nicht frei fließen kann, entstehen Zonen mit abweichender Schichtausbildung. Das Befundbild – Ablösung in der Fläche, nicht an den Kanten – spricht deshalb für eine Ursache in der Vorbehandlung, nicht für eine mechanische Beschädigung.
Eine sichere Aussage zum Schichtaufbau ist über eine metallografische Untersuchung möglich; sie wird bei Bedarf in Zusammenarbeit mit einem akkreditierten Prüflabor veranlasst und gutachterlich ausgewertet.
Regelwerke, an denen bewertet wurde
- DIN EN ISO 1461Durch Feuerverzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge – Anforderungen und Prüfung
- DIN EN ISO 14713Leitfäden zum Korrosionsschutz durch Zinküberzüge, einschließlich konstruktiver Hinweise
- SchichtdickeMindestwerte in Abhängigkeit von der Materialdicke des Bauteils
- HaftungAnforderungen an die Haftfestigkeit des Überzugs
- Konstruktive EignungZulaufe, Ablaufe und Entlüftung als Voraussetzung einer gleichmäßigen Verzinkung
Empfohlene Maßnahmen
- Umfang erfassenAlle Bauteile der Lieferung auf Blasen, Ablösungen und Schichtdicke prüfen.
- Betroffene Teile trennenBauteile mit flächiger Ablösung von denen mit örtlichen Fehlstellen unterscheiden.
- Instandsetzung festlegenÖrtliche Fehlstellen normgerecht ausbessern; flächig abgelöste Bauteile neu verzinken.
- Konstruktion anpassenZulauf- und Ablauföffnungen für zukünftige Fertigungen vorsehen.
- Vorbehandlung abstimmenFertigungsrückstände und Markierungen vor dem Tauchen entfernen lassen.
- Wareneingang regelnSchichtdickenmessung und Sichtkontrolle vor der Montage als feste Prüfstufe.
Was der Fall zeigt
Ein Verzinkungsschaden ist selten ein reines Beschichtungsthema. Er entsteht meistens an der Schnittstelle zwischen Fertigung, Konstruktion und Verzinkerei – und wird dort auch gelöst, nicht in der Nacharbeit.
Die wirksamste Vorsorge ist eine Kontrolle im Wareneingang, bevor montiert wird. Ein abgelöster Zinküberzug an einem noch nicht eingebauten Bauteil ist ein Lieferthema; nach der Montage ist er ein Bauthema.
Ähnlichen Fall schildern
Löst sich an Ihren verzinkten Bauteilen die Schicht, senden Sie mir Lichtbilder und Angaben zu Bauteil, Materialstärke und Lieferzeitpunkt. Sie erhalten eine Einschätzung, ob eine Untersuchung vor Ort sinnvoll ist.
Cemal Seker, M.Eng. | IWE
Sachverständigenbüro
An der Allee 148
55122 Mainz
Von der Handwerkskammer Rheinhessen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Metallbau, Konstruktionstechnik.