Rissbildung an Schweißnähten – Nachweis durch Eindringprüfung
Während der Montage einer tragenden Stahlkonstruktion fielen an mehreren Schweißnähten feine Linien und Oberflächenunregelmäßigkeiten auf. Weil es sich um tragende Verbindungen handelte, musste der Rissverdacht umgehend geklärt werden.
Ein Metallbauunternehmen beauftragte mich mit einer Eindringprüfung nach DIN EN ISO 3452-1 und der Bewertung des Befundes.
- Tragende Stahlkonstruktion
- Rissverdacht während der Montage
- Eindringprüfung PT2
- Bewertung und Empfehlung

Ausgangslage und Auftrag
- ObjektGeschweißte Bauteile einer tragenden Stahlkonstruktion
- WerkstoffBaustahl der üblichen Güten für Tragwerke
- AnlassFeine Linien und Oberflächenunregelmäßigkeiten an mehreren Nähten
- AuftragEindringprüfung nach DIN EN ISO 3452-1 und Bewertung des Befundes
- ZeitpunktWährend der Montage, vor Aufbringen des Korrosionsschutzes
Was am Bauteil festgestellt wurde
Linienanzeigen an Nahtenden
Nach dem Entwickeln zeichneten sich an mehreren Nahtenden durchgehende Linienanzeigen ab.
Anzeigen in der Wärmeeinflusszone
Trennungen unmittelbar neben der Naht, im Bereich des durch die Wärme beeinflussten Grundwerkstoffs.
Punktanzeigen
Vereinzelte Anzeigen, die auf oberflächenoffene Poren zurückgehen.
Scheinanzeigen abgegrenzt
Anzeigen an Schleifriefen und Kanten wurden als nicht relevant eingeordnet.
Verteilung erkennbar
Die relevanten Anzeigen konzentrierten sich auf Verbindungen einer bestimmten Bauteilgruppe.
Sichtbefund allein unzureichend
Vor der Prüfung waren die Trennungen visuell nicht sicher als Risse anzusprechen.
Wie der Schaden entstanden ist
Die Verteilung der Anzeigen ist der eigentliche Erkenntnisgewinn dieses Falls: Sie traten nicht zufällig über die Konstruktion verteilt auf, sondern gehäuft an einer Bauteilgruppe und dort an den Nahtenden. Das spricht für eine systematische Ursache im Ablauf – etwa in der Schweißfolge, in der Wärmeführung oder in der Einspannsituation beim Schweißen – und nicht für eine zufällige Einzelabweichung.
Für die weitere Bearbeitung ist das entscheidend: Eine Einzelfeststellung wird ausgebessert, eine systematische Ursache muss abgestellt werden, sonst entsteht sie am nächsten Bauteil erneut.
Die Eindringprüfung weist oberflächenoffene Trennungen nach. Eine Aussage über die Tiefe der Trennung oder über innen liegende Fehler ist damit nicht möglich.
Regelwerke, an denen bewertet wurde
- DIN EN ISO 3452-1Eindringprüfung: allgemeine Grundlagen und Durchführung
- DIN EN ISO 9712Qualifizierung und Zertifizierung des Prüfpersonals, hier Stufe 2
- DIN EN ISO 5817Zulässigkeitsgrenzen der vereinbarten Bewertungsgruppe – Risse sind in keiner Gruppe zulässig
- DIN EN 1090-2Prüfumfang in Abhängigkeit von der Ausführungsklasse
- DIN EN ISO 17637Vorgeschaltete Sichtprüfung zur Eingrenzung der Prüfbereiche
Empfohlene Maßnahmen
- Prüfumfang erweiternAlle Verbindungen der betroffenen Bauteilgruppe in die Prüfung einbeziehen.
- Rissbereiche ausarbeitenTrennungen vollständig entfernen und den Ausarbeitungsgrund erneut prüfen.
- Instandsetzung nach WPSNeuschweißen nach freigegebener Schweißanweisung durch qualifiziertes Personal.
- Ursache abstellenSchweißfolge, Wärmeführung und Einspannsituation überprüfen und anpassen.
- WiederholungsprüfungErneute Eindringprüfung nach der Instandsetzung, dokumentiert im Prüfbericht.
- KorrosionsschutzBeschichtung erst nach abgeschlossener Prüfung und Freigabe aufbringen.
Was der Fall zeigt
Der Fall zeigt, wofür die Eindringprüfung da ist: Sie macht eine Frage entscheidbar, die visuell nicht zu entscheiden war. Vor der Prüfung gab es einen Verdacht, danach einen Befund – mit Lage, Ausdehnung und Bewertung.
Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt. Die Prüfung fand vor dem Korrosionsschutz statt. Wäre erst beschichtet worden, hätte dieselbe Klärung ein Vielfaches gekostet.
Passende Leistungen und weitere Fallbeispiele
Ähnlichen Fall schildern
Besteht bei Ihnen ein Rissverdacht an Schweißnähten, nennen Sie mir Bauteil, Werkstoff, Anzahl der Nähte und den Zeitpunkt im Bauablauf. Sie erhalten einen Vorschlag zum Prüfumfang – möglichst, bevor beschichtet wird.
Cemal Seker, M.Eng. | IWE
Sachverständigenbüro
An der Allee 148
55122 Mainz
Von der Handwerkskammer Rheinhessen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Metallbau, Konstruktionstechnik.