Fallbeispiel · Fenster

Undichte Aluminiumfenster nach nicht fachgerechtem Einbau

Kurz nach dem Bezug eines Neubaus traten an mehreren Aluminiumfensterelementen Zugluft, Feuchtigkeitseintritte und Kondensat auf. Der Auftraggeber beauftragte mich mit der Feststellung der Ursache.

Der Fall zeigt ein Muster, das bei Fenstern regelmäßig wiederkehrt: Nicht das Element ist mangelhaft, sondern der Anschluss an den Baukörper.

  • Neubau, Aluminiumfenster
  • Undichtigkeit und Kondensat
  • Privatgutachten
  • Anschlussebene als Ursache
Feuchteschaden im Anschlussbereich eines Fensters
Aufnahme aus der eigenen Sachverständigenpraxis.
Der Fall in Kürze

Ausgangslage und Auftrag

  • ObjektNeubau, mehrere Aluminiumfensterelemente
  • AnlassZugluft, Feuchtigkeitseintritt und Kondensatbildung kurz nach Bezug
  • AuftragFeststellung der Ursache und Bewertung der Ausführung
  • BesonderheitEinbau im Zuge der Rohbaumontage
  • GrundlageOrtsbesichtigung, Bauteilöffnung im Anschlussbereich, Unterlagen
Feststellung

Was am Bauteil festgestellt wurde

Fehlende innere Abdichtung

Die luftdichte Ebene auf der Raumseite war nicht durchgehend hergestellt; an mehreren Stellen fehlte sie vollständig.

Ungeordnete Fugendämmung

Der Anschlussfugenraum war nur teilweise und ungleichmäßig ausgefüllt, mit Hohlräumen an den Ecken.

Befestigung ohne Lastabtrag

Befestigungspunkte teils außerhalb der zulässigen Abstände, Verklotzung an den Lastpunkten unvollständig.

Äußere Abdichtung unterbrochen

Die schlagregendichte Ebene war an Stößen und Ecken nicht überlappend ausgeführt.

Kondensat an der Laibung

Feuchtespuren im unteren Rahmenbereich und an der inneren Laibung, mit beginnender Verfärbung.

Keine Dokumentation

Zum Einbau lagen weder ein Montageplan noch Prüf- oder Abnahmeprotokolle vor.

Ursache

Wie der Schaden entstanden ist

Die Feststellungen weisen auf einen Einbau hin, der die Anschlussebene nicht als eigenständiges Gewerk behandelt hat. Wird das Element im Rohbau gesetzt und die Abdichtung später von anderen Beteiligten hergestellt, entsteht regelmäßig eine Lücke: Innen fehlt die luftdichte Ebene, außen die schlagregendichte, und die Fugendämmung wird zum Restfüllstoff.

Fehlt die innere Dichtebene, gelangt warme Raumluft in den Fugenraum. An der kälteren Außenseite fällt sie als Kondensat aus. Der Feuchteeintrag, den der Auftraggeber zunächst als Undichtigkeit von außen wahrgenommen hatte, entstand deshalb überwiegend von innen – ein Unterschied, der für die Zuordnung der Verantwortung entscheidend ist.

Eine abschließende Zuordnung des Feuchteeintrags erfordert in vergleichbaren Fällen eine Bauteilöffnung; sie wurde hier an ausgewählten Stellen durchgeführt.

Einordnung

Regelwerke, an denen bewertet wurde

  • AnschlussebenenInnen dichter als außen – das Grundprinzip des Bauanschlusses
  • BefestigungAbstände, Verklotzung und Lastabtrag nach den Vorgaben des Systemgebers
  • FugendämmungVollständige, hohlraumfreie Ausfüllung des Anschlussfugenraums
  • NachweiseMontageplanung und Abnahme der Anschlüsse als Teil der Leistung

Maßgeblich sind im Einzelfall die vertraglich vereinbarte Beschaffenheit und die Montagevorgaben des Systemgebers.

Empfehlung

Empfohlene Maßnahmen

  1. Bauteilöffnung abschließenUmfang der fehlenden Dichtebenen an allen betroffenen Elementen feststellen.
  2. Innere Dichtebene herstellenDurchgehende luftdichte Ausbildung des Anschlusses, umlaufend und stoßüberdeckend.
  3. Fugendämmung ergänzenHohlraumfreie Ausfüllung des Fugenraums vor Herstellung der Dichtebenen.
  4. Äußere Abdichtung nacharbeitenSchlagregendichte Ebene an Stößen und Ecken überlappend schließen.
  5. Befestigung ertüchtigenBefestigungspunkte und Verklotzung entsprechend den Systemvorgaben herstellen.
  6. Folgeschäden behebenDurchfeuchtete Bereiche trocknen und die Oberflächen erst danach wiederherstellen.
Erkenntnis

Was der Fall zeigt

Bei Fensterschäden liegt die Ursache selten im Element und fast immer im Anschluss. Wer den Einbau als Teil des Rohbaus behandelt, verschiebt die Verantwortung für die Dichtebenen an eine Stelle, an der sie niemand mehr planmäßig herstellt.

Für vergleichbare Vorhaben ist deshalb eine Kontrolle der Anschlüsse vor dem Schließen der Leibungen das wirksamste Mittel – zu diesem Zeitpunkt ist eine Korrektur noch eine Kleinigkeit.

Kontakt

Ähnlichen Fall schildern

Treten bei Ihnen ähnliche Erscheinungen auf – Zugluft, Kondensat oder Feuchte im Anschlussbereich –, schildern Sie mir den Sachverhalt und senden Sie Lichtbilder mit. Sie erhalten eine Einschätzung, ob eine Bauteilöffnung erforderlich ist.

Cemal Seker, M.Eng. | IWE
Sachverständigenbüro
An der Allee 148
55122 Mainz

info@metall-sv.de

Von der Handwerkskammer Rheinhessen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Metallbau, Konstruktionstechnik.