Eindringprüfung (PT) an Schweißnähten nach DIN EN ISO 3452-1
Die Eindringprüfung macht oberflächenoffene Trennungen sichtbar, die visuell nicht mehr erkennbar sind: Haarrisse, Anrisse in der Wärmeeinflusszone, feine Bindefehler mit Oberflächenanschluss.
Das Verfahren arbeitet mit Kapillarwirkung: Ein Eindringmittel zieht in die Trennung, wird oberflächlich entfernt und vom Entwickler wieder herausgezogen. Die Anzeige ist dabei deutlich breiter als der Riss selbst – deshalb werden auch sehr feine Trennungen erkennbar.
- DIN EN ISO 3452-1
- PT2 nach DIN EN ISO 9712
- Auch an Edelstahl und Aluminium
- Prüfung vor Ort möglich

Wann die Eindringprüfung eingesetzt wird
PT kommt dort zum Einsatz, wo ein Rissverdacht besteht oder wo die Sicherheit des Bauteils davon abhängt, dass keine Anrisse vorhanden sind. Typisch sind Nachschweißungen und Reparaturstellen, hoch beanspruchte Verbindungen, sicherheitsrelevante Abnahmen und die Aufklärung von Schadensfällen.
Häufig ist PT die zweite Stufe: Die Sichtprüfung liefert den Gesamtbefund und grenzt die verdächtigen Bereiche ein, die Eindringprüfung klärt sie ab. Das hält den Aufwand begrenzt und die Aussage trotzdem belastbar.
Der genormte Ablauf in sechs Schritten
- VorreinigungEntfernung von Öl, Fett, Farbresten und Zunder. Ohne saubere, offene Oberfläche ist das Ergebnis wertlos.
- Auftrag des EindringmittelsAufbringen und Einwirken über die für Werkstoff und Temperatur festgelegte Eindringzeit.
- ZwischenreinigungKontrolliertes Entfernen des überschüssigen Eindringmittels – so weit wie nötig, so wenig wie möglich.
- EntwicklungAuftrag des Entwicklers, der das Eindringmittel aus der Trennung zurückholt und die Anzeige sichtbar macht.
- Prüfung und BewertungBeurteilung der Anzeigen unter den vorgeschriebenen Bedingungen; Unterscheidung zwischen relevanten Anzeigen und Scheinanzeigen.
- NachreinigungEntfernung der Prüfmittelrückstände vom Bauteil.
Werkstoffe, Bauteile und Grenzen
Geeignet für
- Unlegierte und niedriglegierte Stähle
- Nichtrostende Stähle und Edelstahloberflächen
- Aluminium und Aluminiumlegierungen
- Kupfer- und Nickelwerkstoffe
- Guss- und Schmiedeteile
- Nicht poröse, nicht saugende Oberflächen
Typische Prüfobjekte
- Schweißnähte an Tragwerken und Anlagenteilen
- Reparatur- und Nachschweißstellen
- Anschlüsse und Knotenpunkte
- Bauteile nach Belastung oder Schadensfall
- Zugelieferte Baugruppen im Wareneingang
Was das Verfahren voraussetzt
- Die Trennung muss zur Oberfläche offen sein
- Die Oberfläche muss zugänglich und gereinigt sein
- Die Bauteiltemperatur muss im zulässigen Bereich liegen
- Innen liegende Fehler erfordern andere Verfahren
Der Unterschied zur Sichtprüfung
VT und PT beantworten unterschiedliche Fragen. Die Sichtprüfung beurteilt die Naht in ihrer Gesamtheit: Geometrie, Übergänge, Maßhaltigkeit, sichtbare Unregelmäßigkeiten. Sie liefert das Bild der Ausführungsqualität.
Die Eindringprüfung beurteilt nichts davon. Sie beantwortet eine einzige Frage sehr genau: Gibt es an dieser Stelle eine oberflächenoffene Trennung? Deshalb ersetzt PT die Sichtprüfung nicht, sondern setzt auf ihr auf.
Inhalt des Prüfberichts
- PrüfgegenstandBauteil, Werkstoff, Oberflächenzustand und geprüfter Bereich
- PrüfmittelsystemEindringmittel, Zwischenreiniger und Entwickler mit Bezeichnung
- PrüfparameterEindring- und Entwicklungszeit, Bauteiltemperatur, Beleuchtung
- AnzeigenArt, Ausdehnung und Lage jeder relevanten Anzeige, mit Lichtbildern
- BewertungZuordnung zu den vereinbarten Zulässigkeitsgrenzen
- EmpfehlungErforderliche Nacharbeit, Wiederholungsprüfung oder weitergehende Untersuchung
Bleibt nach der Prüfung eine Werkstoff- oder Ursachenfrage offen, veranlasse ich gezielte Untersuchungen in Zusammenarbeit mit akkreditierten Prüflaboren und werte deren Ergebnisse gutachterlich aus.
Eindringprüfung beauftragen
Beschreiben Sie mir kurz das Bauteil, den Werkstoff und den Anlass des Rissverdachts. Sie erhalten einen Vorschlag zum Prüfumfang und zur Frage, ob eine vorgeschaltete Sichtprüfung sinnvoll ist.
Cemal Seker, M.Eng. | IWE
Sachverständigenbüro
An der Allee 148
55122 Mainz
Von der Handwerkskammer Rheinhessen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Metallbau, Konstruktionstechnik.