Fallbeispiel 2

Korrosion am Edelstahlgeländer – Ursachen, Bewertung und Sanierungsempfehlung

Als Sachverständiger erstelle ich Gutachten zu Korrosionsschäden an Edelstahlgeländern – einschließlich Ursachenanalyse, normgerechter Bewertung und fachlicher Empfehlung.

Auftrag und Ausgangssituation

Der Eigentümer eines Mehrfamilienhauses meldete Korrosionsspuren an mehreren Edelstahlgeländern, die erst vor kurzer Zeit montiert worden waren. Die Geländer befanden sich an Balkonen mit südwestlicher Ausrichtung und waren regelmäßig der Witterung ausgesetzt.

Bei der Ortsbesichtigung zeigte sich eine deutliche Braunverfärbung an den Handläufen und Füllstäben sowie beginnende Lochfraßkorrosion an Schweißnähten und Übergangsstellen – Edelstahlgeländer Korrosion tritt häufig auf, wenn falsche Materialkombinationen, mangelhafter Korrosionsschutz oder Ausführungsfehler vorliegen.

Festgestelltes Schadensbild

  • Braunverfärbungen und Lochfraß im Bereich der Schweißnähte
  • Fremdrostanhaftungen auf der Oberfläche
  • Spannungsrisskorrosion an den Eckverbindungen
  • Abtrag der Passivschicht durch unsachgemäße Nachbehandlung
  • unterschiedliche Oberflächenqualitäten (geschliffen / unbehandelt)

Die Schäden waren sowohl optisch störend als auch technisch bedenklich, da die Korrosion die Querschnitte der tragenden Teile beeinträchtigte.

Ursachenanalyse

  1. Materialmischung verschiedener Edelstahlqualitäten
    – Kombination von Werkstoffen V2A (1.4301) und V4A (1.4571) führte zu Kontaktkorrosion.
  2. Unsachgemäße Schweißarbeiten
    – Schweißnähte wurden nicht gebeizt oder passiviert, wodurch die schützende Oxidschicht zerstört blieb.
  3. Montagefehler bei der Befestigung
    – Kontakt mit verzinkten Bauteilen (z. B. Konsolen), die elektrochemische Reaktionen auslösten.
  4. Reinigungs- und Pflegefehler– Verwendung chloridhaltiger Reinigungsmittel, die die Passivschicht weiter beschädigten.

Normative Bewertung

Laut DIN EN 10088 (nichtrostende Stähle) und DIN EN ISO 3506 (korrosionsbeständige Verbindungselemente) müssen Edelstahlbauteile so ausgewählt und verarbeitet werden, dass sie den zu erwartenden Umgebungsbedingungen dauerhaft widerstehen.

Die DIN EN ISO 9223 klassifiziert Umgebungen nach Korrosivitätskategorien (C1–C5).
Für Außenbereiche in Stadt- oder Küstennähe ist in der Regel Korrosivitätskategorie C4–C5 anzusetzen.
In diesem Fall war das gewählte Material (1.4301) für die Einbausituation nicht ausreichend korrosionsbeständig.

Darüber hinaus schreibt die DIN EN ISO 12944-5 vor, dass Schweißnähte an Edelstahlbauteilen nach dem Schweißen chemisch nachbehandelt (beizpassiviert) werden müssen. Diese Behandlung wurde hier unterlassen.

Empfohlene Maßnahmen

  1. Rückbau korrodierter Teile und Erneuerung mit geeignetem Werkstoff (z. B. 1.4571 / 1.4404)
  2. Vermeidung von Materialmischung zwischen Edelstahl, verzinktem Stahl und Aluminium
  3. Nachbehandlung aller Schweißnähte durch Beizen und Passivieren
  4. Mechanische Entfernung von Fremdrost, anschließende Reinigung mit demineralisiertem Wasser
  5. Oberflächenfinish angleichen (z. B. Korn 240–320, geschliffen oder poliert)
  6. Dokumentation der Arbeiten inkl. Werkstoffnachweise und Prüfprotokolle

Zur Vermeidung künftiger Schäden sollten Edelstahlbauteile gemäß den Herstellerempfehlungen regelmäßig gereinigt und kontrolliert werden.

Zusammenfassung

Korrosionsschäden an Edelstahlbauteilen entstehen häufig durch Materialfehler, falsche Kombinationen oder mangelhafte Nachbehandlung nach dem Schweißen.
Auch „rostfreier“ Stahl kann bei ungeeigneter Ausführung und Pflege korrodieren.
Eine fachgerechte Planung nach DIN EN 10088, ISO 9223 und eine sorgfältige Ausführung nach DIN EN ISO 3834 sind daher zwingend notwendig.

Hinweis des Sachverständigen

Als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Metallbauerhandwerk prüfe ich Korrosionsschäden, Materialfehler und Montagefehler unabhängig, objektiv und nach den geltenden Normen und Fachregeln.

Weiterführende Informationen

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