Sichtprüfung (VT) an Schweißnähten nach DIN EN ISO 17637
Die Sichtprüfung ist kein Blick auf die Naht, sondern ein geregeltes Verfahren mit festgelegten Randbedingungen: Beleuchtungsstärke, Betrachtungsabstand, Blickwinkel, Prüfmittel und Bewertungsgruppe sind vorgegeben und werden dokumentiert.
Richtig angewandt entscheidet VT bereits über die Abnahmefähigkeit eines Bauteils – und darüber, ob eine weitergehende Prüfung überhaupt erforderlich wird.
- DIN EN ISO 17637
- VT2 nach DIN EN ISO 9712
- Vor, während und nach dem Schweißen
- Bewertung nach ISO 5817

Die drei Prüfphasen nach Norm
- Vor dem SchweißenFugenvorbereitung, Spaltmaße, Sauberkeit und Passgenauigkeit; Lage und Ausführung der Heftstellen. Ein Fehler, der hier auffällt, kostet nichts.
- Während des SchweißensZwischenlagen, Schlackenentfernung, Lagenaufbau und Einhaltung der Zwischenlagentemperatur – dort, wo spätere Nachweise nicht mehr möglich sind.
- Nach dem SchweißenNahtgeometrie, Nahtübergänge, Oberfläche und Maßhaltigkeit der fertigen Verbindung, einschließlich der Bereiche, die nachgearbeitet wurden.
Was bei der VT-Prüfung beurteilt wird
Geometrie der Naht
- Nahtform, Nahtbreite und Überhöhung
- Nahtübergänge und Kerbwirkung
- Wurzelausbildung und Wurzelrückfall
- Kantenversatz und Winkelverzug
- Maßhaltigkeit der Baugruppe
Unregelmäßigkeiten
- Einbrandkerben und Randkerben
- Oberflächenporen und Endkraterrisse
- Unvollständige Durchschweißung
- Sichtbare Risse und Bindefehler
- Spritzer, Zündstellen und Schleifriefen
Prüfbedingungen
- Beleuchtungsstärke am Prüfort
- Betrachtungsabstand und Blickwinkel
- Zugänglichkeit und Hilfsmittel
- Lupen, Endoskope, Schweißnahtlehren und Messmittel
- Zustand der Oberfläche zum Prüfzeitpunkt
Vom Befund zur Zulässigkeitsaussage
Eine Anzeige allein ist noch kein Mangel. Ob sie zulässig ist, ergibt sich aus der Bewertungsgruppe, die für das Bauteil vereinbart wurde – üblicherweise B, C oder D nach DIN EN ISO 5817. Dieselbe Einbrandkerbe kann in Gruppe D hinnehmbar und in Gruppe B unzulässig sein.
Im Prüfbericht wird deshalb nicht nur festgehalten, was gefunden wurde, sondern gegen welchen Maßstab es bewertet wurde. Erst diese Zuordnung macht das Ergebnis für Abnahmen und Streitfälle verwendbar.
Die anzuwendende Bewertungsgruppe ergibt sich aus Ausschreibung, Ausführungsklasse und Verwendungszweck – sie wird vor der Prüfung festgelegt, nicht danach.
Was die Sichtprüfung leisten kann – und wo PT ansetzt
VT erfasst alles, was an der Oberfläche sichtbar ist, und liefert dafür eine vollständige, dokumentierte Beurteilung. Feine, oberflächenoffene Trennungen, die schmaler sind als die visuelle Auflösung, lassen sich damit jedoch nicht sicher nachweisen.
Genau dort setzt die Eindringprüfung an. In der Praxis ergänzen sich beide Verfahren: VT gibt den Gesamtbefund und grenzt die Bereiche ein, PT klärt den Rissverdacht an den kritischen Stellen.
Inhalt des Prüfberichts
- PrüfgegenstandBauteil, Werkstoff, Nahtart und geprüfte Länge oder Anzahl
- PrüfbedingungenBeleuchtung, Abstand, eingesetzte Prüfmittel und Oberflächenzustand
- GrundlageAngewandte Norm und vereinbarte Bewertungsgruppe
- AnzeigenArt, Größe und Lage jeder Anzeige, mit Lichtbildern und Lagezuordnung
- BewertungZulässig oder unzulässig je Anzeige, mit Aussage zur Abnahmefähigkeit
- EmpfehlungErforderliche Nacharbeit oder ergänzende Prüfung
Passende Leistungen
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Nennen Sie mir Bauteil, Werkstoff, Anzahl und Lage der Nähte sowie die vereinbarte Bewertungsgruppe. Wenn diese noch nicht feststeht, klären wir sie vorab – sie bestimmt den Maßstab der Prüfung.
Cemal Seker, M.Eng. | IWE
Sachverständigenbüro
An der Allee 148
55122 Mainz
Von der Handwerkskammer Rheinhessen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Metallbau, Konstruktionstechnik.